INTERVIEW MIT EWALD & THOMAS SCHWING

(Auszug aus einem Interview mit Ewald und Thomas Schwing im Januar 2012 in Neukirchen-Vluyn am Hauptsitz der Firma SCHWING. Ewald Schwing war 1969 Firmengründer und ist nunmehr als Geschäftsführer zuständig für die Finanzen und Verwaltung des Unternehmens. Sein Sohn Thomas ist seit einigen Jahren Geschäftsführer und verantwortlich für die Bereiche Vertrieb und Technik.)

Sehr geehrter Herr Ewald Schwing, Herr Thomas Schwing, ich bedanke mich, dass Sie mir die Zeit für dieses Gespräch schenken und mir die Gelegenheit geben, mehr über ihr Unternehmen zu erfahren. – Reicht eine Minute, um ganz kurz zu umreißen, was SCHWING herstellt, welche Dienstleistungen SCHWING bietet?


Thomas Schwing (TS): Eine Minute reicht natürlich nicht, aber ich werde versuchen, mich kurz zu fassen. SCHWING entwickelt, baut und liefert thermische und andere Reinigungssysteme für Werkzeuge und Produktionsmittel, die überwiegend in der Kunststoff- und Faserindustrie verwendet werden. Weitere Anwender unserer Technologien sind die chemische Industrie sowie die metallverarbeitende und die Automobilindustrie.


Wir sind heute in der Lage, uns auf jeden Kunden und seine spezifischen Wünsche und Anwendungen individuell einzustellen. So existiert zurzeit kein Polymer und kein Werkzeug oder Maschinenteil, das wir nicht mit einer unserer Technologien oder Systeme entfernen bzw. reinigen könnten. Egal, ob Spinndüsen in der Faserindustrie, Heißkanalkomponenten im Spritzguss oder Folienblasköpfe: Die Kunden können mit ihren SCHWING-Geräten so gründlich und gleichzeitig materialschonend reinigen, dass die Teile nach dem Reinigungsprozess quasi wieder wie neu sind. Auf diese Weise helfen wir unseren Kunden auch ihre Betriebskosten zu optimieren.

Welche Leistungen bietet Ihr Unternehmen außerdem?

TS: Neben der Konstruktion und Herstellung der Reinigungsanlagen bieten wir die Reinigung von Werkzeugen und Komponenten auch als Lohndienstleistung an – und das weltweit. Wenn sich also die Investition in eine eigene Reinigungsanlage nicht rechnet bzw. aus betriebswirtschaftlichen oder aus strategischen Gründen nicht in Frage kommt, senden die Kunden uns ihre Teile zu, und wir reinigen diese als externer Servicepartner. Dabei reichen die Größen unserer Reinigungsanlagen vom kleinen Labor- oder Kompaktgerät bis zu Systemen mit einem Kammervolumen von 15 Kubikmetern oder einem Beladegewicht von 5000 Kilogramm oder sechs Metern Teilelänge.

 

Unser einzigartiges Angebot an eigenen Technologien und Technologiekombinationen - umgesetzt in spezifische Reinigungs-, Behandlungs- und Verarbeitungssysteme - plus die dazu gehörenden, weltweiten Services machen uns zum Marktführer. Keiner hat mehr Know-how auf diesem Gebiet als SCHWING.

Marktführer in Deutschland, in Europa oder in der Welt?

TS: Weltweit, ganz eindeutig. Wir sind ja auch international sehr gut aufgestellt: 250.000 Werkstücke reinigen wir jährlich an unseren Standorten hier in Neukirchen-Vluyn, in den Niederlanden, England, Mexiko, Brasilien, China und in den USA - und das zur vollsten Zufriedenheit unserer Kunden. Wer seine Werkzeuge und Maschinenteile probeweise reinigen lassen möchte oder wer Fragen hat zu den Prozessen und Abläufen, den laden wir gern ein, unsere Arbeit hier im Stammwerk kennen zu lernen: Überzeugt von unserem Unternehmen ist bisher noch niemand wieder heimgefahren, ohne Kunde geworden zu sein.

Sagen Sie noch ein bisschen mehr zu den Reinigungsverfahren.

TS: Die zu reinigenden Produktionsmittel sind mit organischem Material behaftet. Polymere sind ja nichts anderes als Kohlenstoffketten, jeder kennt Abkürzungen wie etwa PET oder PVC. Nehmen wir als Beispiel unser Wirbelbett-Gerät INNOVACLEAN. Dieses besteht, vereinfacht gesagt, aus einer Reinigungskammer, einem Gebläse und einer Heizung. Die Kammer ist mit Sand gefüllt, das Gebläse kann Luft durch diesen Sand leiten, so dass der Sand leicht angehoben, schließlich komplett durchwirbelt wird und sich dann wie eine Flüssigkeit verhält. Mit der Heizung steigern wir kontrolliert die Temperatur in der Kammer, gewöhnlich sind es zwischen 430 und 520 Grad Celsius je nach Verschmutzungsgrad oder Material. Mit einem speziellen Beladekorb wird das verschmutzte Werkzeug in das Wirbelbett eingetaucht. Der fluidisierte Sand sorgt hierbei ohne Abrasion für eine vollkommen gleichmäßige Verteilung der Hitze, die die anhaftenden Polymere zersetzt. Der Chemiker nennt diesen Zerfall von Kohlenstoffketten "Pyrolyse".

Sie sind also in jeder Hinsicht sehr auf Sicherheit bedacht?


TS: Immer schon hat SCHWING das Thema Sicherheit groß geschrieben. Das hat mein Vater schon ganz strikt so gehalten, und er war damit erfolgreich. Da gab es für mich keinen Grund etwas zu ändern - auch wenn das manchmal aufwendig oder teuer ist. Die Gesundheit und Sicherheit unserer eigenen Mitarbeiter und der Mitarbeiter unserer Kunden sind das höchste Gut. Direkt danach folgen Maßnahmen zur Energieeffizienz, zum Umweltschutz und selbstverständlich zum Schutz des Reinigungsgutes.

Im Moment geht es der deutschen Wirtschaft gut. Vor wenigen Jahren noch war Schlimmes befürchtet worden. Wie hat SCHWING die Krise gemeistert?


TS: Insbesondere 2009 war ein hartes Jahr. Als plötzlich von einem Tag auf den anderen die Aufträge wegbrachen bzw. storniert wurden, haben natürlich auch wir Probleme bekommen. Tatsächlich war der Schock damals so groß, dass vielerorts schlichtweg alle Investitionen gestrichen wurden. In dieser drastischen und radikalen Form hatte kein Unternehmer hierzulande die Krise voraussehen können.
Dennoch haben wir aufgrund unserer vielseitigen Angebotspalette und durch den Zusammenhalt unseres Teams die Krise vergleichsweise gut bewältigen können: Bei einem durchschnittlichen Umsatzrückgang von 30 Prozent im Maschinen- und Anlagenbau haben wir nur 9 Prozent Einbuße gehabt. Wir haben aus der Situation gelernt und unsere Schlüsse gezogen, was auch ein großer Verdienst meines Vaters ist. SCHWING ist heute besser und sicherer aufgestellt denn je. Wir haben Rücklagen und stehen auf einem so soliden finanziellen Fundament wie nie zuvor, so dass selbst eine 2009er-Krise mir kaum noch schlaflose Nächte bereiten würde.

Kurze Zwischenfrage: Ist das Stornieren von Aufträgen seitens ihrer Kunden nicht Sparen am falschen Fleck?

TS: Das sehen Sie richtig. Natürlich setzten die Unternehmen ihr Kapital auf's Spiel, wenn sie ihre Produktionsmittel nicht mehr vernünftig reinigen oder reinigen lassen. Und man darf nicht vergessen: die von uns in Topform gehaltenen Werkzeuge und Maschinenteile sind die Herzstücke der Produktionsanlagen unserer Kunden. Dort entscheidet sich die Qualität der Produkte; wenn dort nicht alles tipptopp ist, kann sich das für die Unternehmen und deren Kunden bzw. Kundenzufriedenheit nur negativ auswirken.

Ist "Global Player" für Sie Risiko oder Chance?

TS: Chance natürlich. Wir wollen mit dem, was wir zu bieten haben, in der Champions League spielen und sind auf dem besten Weg dorthin. Stillstand und wirtschaftliche Stagnation kann für keinen Unternehmer das Ziel sein. Unsere Mitarbeiter im Außendienst sind auf Messen in Moskau und Shanghai, in Sao Paulo und Jakarta unterwegs, und das war jetzt nur eine winzige Auswahl von Gelegenheiten, bei denen wir uns vorstellen und um Kunden werben. Außerdem bemerken wir auch, dass die Mundpropaganda für uns spricht: Zufriedene Kunden empfehlen SCHWING weiter. Das ist von unschätzbarem Wert und sehr, sehr nachhaltig. Unser Team macht das außerdem stolz und zufrieden. Es ist Motivation, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen und in den Anstrengungen, Qualität zu produzieren und optimale Arbeit abzuliefern, nicht nachzulassen.

Als Sie 1969 das Unternehmen gründeten, waren Sie da ein Visionär?

Ewald Sching (ES): Visionär ist vielleicht nicht ganz der richtige Ausdruck. Ich war wohl vorausschauend und als Kaufmann auf der Suche nach lukrativen, zukunftsweisenden Geschäftsfeldern. Wir haben ja damals mit Wirbelschicht-Reinigungsanlagen und Prozess-Messtechnik begonnen. Bald danach haben wir mit einer amerikanischen Firma als Lizenzgeber zusammengearbeitet. Das war damals schon sehr innovativ. Hinzu kommt, dass ich damals wie heute technisch sehr interessiert war und bin. Und – ich sage das nicht ohne Stolz – bis heute gibt es kein Gerät der Firma SCHWING, dessen Aufbau und Funktion ich nicht bis ins kleinste Detail kenne. Kompetenz und ehrliches Engagement sind Faktoren, die bei den Kunden ankommen. Aber noch einmal zum Visionär: Vor der Kunststoff- und Faserindustrie liegt immer noch eine große Zukunft und Wachstum – weltweit.

Liegt die Zukunft für SCHWING auch in Fernost?

ES: Hierzulande ist der Markt am Limit, mit Expansion ist kaum zu rechnen, aber auch SCHWING ist ja mittlerweile ein Global Player. Und schauen Sie, in Deutschland liegt der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch bei 100 Kilogramm Kunststoff pro Jahr, in China bei sechs Kilogramm, in Indien bei neun. Muss ich mehr über diese Schwellenländer und die Chancen, die sich in ihnen ergeben, sagen? Vielleicht doch noch eines: Ich war und bin geschäftlich viel auf Reisen, da habe ich bei einem Kunden gesehen, wie zwei Arbeiter einen Extruder mit alten Zahnbürsten zu reinigen versuchten... Um Ihre Frage von gerade also nochmals aufzugreifen: Ja, die Zukunft liegt für uns
a u c h in Fernost.

Sind Sie mit Ihrer Firma in Neukirchen-Vluyn am Niederrhein ansässig. Sind Sie "auf's platte Land gegangen", "weil" oder "obwohl"?

ES: Ein ganz klares "weil". Die Firma ist in Duisburg, meiner Heimatstadt, gegründet worden. In Buchholz haben wir angefangen, aber nach den ersten Erfolgen und der Expansion brauchten wir Anfang der 70er Jahre mehr Platz. Neukirchen-Vluyn auf der anderen Rheinseite bot sich an. Sie haben natürlich Recht, viel platter als hier geht das Land nicht, aber man ist tatsächlich in wenigen Minuten schon im Herzen des Ruhrgebietes. Die Autobahn am Ortsrand macht's möglich. Der Düsseldorfer Flughafen etwa hat immer größere Bedeutung für unsere Arbeit und auch der ist – nicht gerade zur Hauptverkehrszeit, aber wenn's gut läuft – in 25 Minuten zu erreichen. "Global Player" hin oder her, wir sind hier gut aufgehoben.

Sagen Sie mal ganz spontan, was Ihnen als erstes einfällt, wenn Sie nach den Vorzügen Ihres Unternehmens gefragt werden.

ES: Die Qualität unserer Mitarbeiter, ganz eindeutig. Ich bin sehr stolz auf die Mannschaft, wenn Sie mir diesen sportlichen Begriff gestatten wollen. Da kommt viel Engagement mit Erfahrung zusammen.
Wenn wir sagen, SCHWING sei ein Familienbetrieb, heißt das natürlich zunächst, dass mein Sohn nun in der zweiten Generation verantwortungsvoll die Geschäfte führt. Und wer weiß, wohin es meine Enkel verschlägt. Wir sind stolz ein familienfreundliches Unternehmen zu sein, weil wir selbst die Familie wertschätzen. Wir haben hier sogar ein Ehepaar, dass sich bei uns kennen und lieben gelernt hat; auch deren Tochter arbeitet mittlerweile bei SCHWING.
Und wir sind seit jeher auch Ausbildungsbetrieb. Diese Verantwortung jungen Menschen gegenüber war mir vom ersten Tag der Unternehmensgründung an wichtig.

Und Sie, Thomas Schwing, ganz spontan!

TS: Unsere enorme technologische Flexibilität und unsere Fähigkeit, uns auf jeden Kunden individuell einzustellen und allen Anforderungen unserer Kunden gerecht zu werden.


(Das Gespräch führte Bernd Altmeppen, Journalist.)